Yves Jansen
Platzeks Häutung
Roman
Erik Platzek, Buchantiquar in einer deutschen Kleinstadt, begegnet im mondänen „Baseler Hof“, wo er sich hin und wieder ein entspanntes Wochenende gönnt, der atemberaubenden Lilith. Der schüchterne Mittvierziger verbringt eine wilde Nacht mit der faszinierenden Frau, die, wer hätte es geahnt, niemand anderes als der Teufel höchstpersönlich ist. Platzek, gestärkt und berauscht durch das Erlebnis mit Lilith, geht den Handel um seine Seele ein. Aber es läuft anders, als der Teufel plant: Platzek rettet einem Bauern, dessen Hof abbrennt, das Leben. Seine von dunklen Mächten geschürte Wut erschöpft sich in einer wilden Autofahrt und ein paar frechen Worten an die Krankenschwester der Pflegeanstalt, in der seine Mutter lebt. Der Teufel hasst Mütter. Ihre Intuition macht sie gefährlich. Also vergreift er sich stattdessen an Margareta Hasselström, einer jungen Schwedin, die unvermittelt in Platzeks Buchhandlung auftaucht und ihn mit ihrer unbeschwerten Art dazu bringt, sie als Aushilfe einzustellen. Vermutlich die fügende Hand des Engels Luzie, dem Teufel als wachsame Begleiterin zur Seite gestellt, lässt ihn sich schließlich in Margareta zu verlieben. Doch des Teufels Bemühungen, Platzeks Seele in die Unterwelt zu reißen, bleiben vergebens. Enttäuscht über seinen Misserfolg und seine Missachtung seitens der Welt resigniert er: „Der größte Feind des Menschen ist er selbst. Mein Entschluss steht fest: Ich danke ab.“
Faust im 21. Jahrhundert, alter Stoff, neue Geschichte. Es wäre diesem witzigen und einfallsreichen Roman jedoch Unrecht getan, reduzierte man ihn auf diese Essenz. Der Teufel ist ein Verwandlungskünstler, erscheint mal als Lilith, mal als dicker, pickliger Journalist, als schwarzer Hund, Rabe oder Schlange, je nach Gelegenheit. In seiner eigentlichen Gestalt trägt er allerdings ganz klassisch Pferdehuf und Schwanz, vergnügt sich so unter anderem in einem Nachtklub mit Kostümierzwang, dessen laute Musik und aufgekratzte Stimmung ihn zu Überlegungen verleiten, ob die Hölle nicht längst überall und somit seine und vermutlich auch die Macht des Herrn am Bröckeln sei. Diese moderne Faustgeschichte besticht durch subtilen Witz und einen spannend-unterhaltsamen Stil.
Gleichzeitig ist sie eine gut durchdachte, mit vielen Verweisen gespickte und augenzwinkernde Auseinandersetzung mit Goethes Original, die, mit einem Funken Gesellschaftskritik versehen, Gott und die Welt (und natürlich den Teufel) aufs Korn nimmt.