»Man hatte mich nach Tahiti geschickt, um Postkarten von Kokosbauern und Tahitianerinnen
mitzubringen, aber ich habe dort ein Volk ohne Rechte gesehen, das von Militärs kontrolliert
wird. Ich habe sogar die Geschichte eines Bootes erzählt, das radioaktiv verstrahlt war. Die
Behörden zogen es vor, die Besitzer zu erschießen«
aus: Jean Meckert-Amila, l’écrivain réfractaire, in: Rouge N°1387, 8
février 1990
Der ursprüngliche Grund für die sechs wöchige Tahiti-
Reise Amilas war ein geplantes Drehbuch eines Anti-
James Bond, der in Tahiti spielen sollte. Die eher schwache
Geschichte sollte mit schönen Bildern von der Insel aufgepeppt
werden und Amilas Aufgabe war es, eine Art Erkundungstour
zu unternehmen.
Stattdessen kritisierte er die französischen Kolonialherren und
die nuklearen
Versuchszentren auf der Insel.
Roman: »La Vierge et le Taureau«
In seinem Roman »La vierge et le taureau«, der 1973 bei Presses de la Cité erschien,
verarbeitete Amila seine Eindrücke einer Tahiti-Reise, die er 1971 unternahm. Er sagte: »Ich
habe dort Dinge gesehen, die mir gar nicht gefallen haben: Polynesier, die von den Militärs
und Beamten wie Sklaven behandelt wurden.« (in: Le matin de Paris).
In »La vierge et le taureau« kommt Amilas Protest gegen die Atom- und Kolonialpolitik
Frankreichs zum Ausdruck, aber es geht auch um den Einzelnen, der gegen die Gesellschaft
rebelliert und seinen Platz finden muss.
Der Protagonist Honoré kommt aus der Wildnis zurück und stellt fest, dass er weder in der
Zivilisation, noch in der Wildnis wirklich zurecht kommt. Er schlägt sich mit diversen
Gelegenheitsjobs durch und nimmt unterschiedliche Rollen an, unter anderem die eines
Geheimagenten. Aus Spiel wird Ernst und Honoré gerät ins Visier der CIA, dessen
Geheimagenten unter dem Schutz der französischen Regierung dafür sorgen, dass die
Nuklearversuche, die auf Tahiti durchgeführt werden, ungestört verlaufen.
aus: French Connection VIII, S.32
Nach der Veröffentlichung des Romans bekommt Amila einen anonymen Drohanruf und wird
schließlich auf seinem Parkplatz von zwei Unbekannten brutal zusammengeschlagen. Koma,
Amnesie und epileptische Anfälle sind die Folge. Die Umstände des
Überfalls sind bis heute
nicht vollständig geklärt. Nach Aussage Amilas wurde sein Verleger aufgefordert, den Roman
aus seinem Katalog zu nehmen und zwei Männer kauften die komplette Auflage.
In seinem trockenen Humor merkte Jean Amila an: »Als ich das alles der Neurologin erzählt
habe, hatte ich glücklicherweise das Buch dabei, denn sonst hätte sie mich für einen
krankhaften Lügner gehalten.«