Schreiben zwischen sozialer Realität und Utopie
Jean Amila
Jean Meckerts umgangssprachlicher Stil und seine Schilderungen der einfachen Leute im Stil
des roman populiste passten nicht gut ins Konzept der weißen Romane bei Gallimard. Zudem
wurden seine Bücher nicht gut verkauft.
1950 wurde Jean Meckert vom Gründer der Série Noire, Marc Duhamel, für die Krimireihe
entdeckt. Gemäß der Mode, verlangte Marc Duhamel ein amerikanisch klingendes
Pseudonym. Jean Meckert
schlug Amilanar vor, das sich als Ami (Freund) l’anar
(der Anarchie)
lesen lässt. Außerdem bedeutet amilanar auf
Spanisch
soviel wie: »entmutigen« oder »sich
fürchten«.
Duhamel kürzte den Vorschlag zu
»Amila«.
So wurde aus dem Romanautor Jean
Meckert
der Krimiautor John und später Jean
Amila.
Die Geschichte
des Meckert/Amila kann auch als die
Geschichte des
Anarchisten, der sich sozialen Realitäten unterwerfen
muss, gelesen
werden. Schließlich kam der Autor vornehmlich aus Geldmangel zur
Série Noire,
wo er sich der amerikanischen Mode unterwerfen musste. Gleichzeitig
schaffte er es,  
sich seine Unabhängigkeit zu erhalten und seine Gesellschaftskritik auch in
den Kriminalromanen unterzubringen. 1985 resümierte er insgesamt positiv: »Ich kann mich
nicht beschweren, es gibt so viele, die es nicht schaffen und ich habe doch ganz schön viel
Glück gehabt.«
Ganz der Rebell, der sich in keine Schublade stecken lassen will, sagte er auch, dass seine
Romane nicht als schlichte Krimis bezeichnet werden sollen, denn: »Krimiautoren greifen nie
Institutionen an, sondern Personen. [...] Der Verbrecher ist ein Perverser, ein Kranker, wenn
er am Ende umgebracht wird, applaudieren alle. Ich habe nie
Menschen angegriffen, denn ich will nicht Individuen
angreifen, sondern Institutionen. Der Krimi
beschreibt die Gesellschaft im ist-Zustand. Dabei
verändert sie sich doch ständig. Jeder nimmt an
dieser Entwicklung teil, die die Entwicklung der
gesamten Menschheit ist. Wir denken nicht mehr wie
vor einem Jahrhundert gedacht wurde. Man kann also nur
einen "schwarzen Roman" schreiben, indem man das,
was schief läuft anklagt,
herausarbeitet und betont. Jeder sollte daran
mitarbeiten. Ich bin vielleicht
ungebildet, ich war nicht geschaffen für eine
intellektuelle Karriere. Ich weiß
auch nicht genau, was Anarchie bedeutet, aber meine Sicht der Dinge ist nun mal
anarchistisch, ich kann das nicht anders ausdrücken. Ich bin ein "Bürger des Staates
Nirgendwo", oder vielleicht einer, der am Rand steht. Solche wie uns braucht man doch
auch ...«
Freund der Anarchie:
Wie aus dem Romanautor Jean Meckert der Krimiautor Jean Amila
wurde