Schreiben zwischen sozialer Realität und Utopie
Jean Amila
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Amilas erster Roman »Les Coups« 1942.
Der erste Roman, den Jean Amila noch unter seinem richtigen Namen Meckert veröffentlicht,
erscheint 1942. Meckert hatte ihn in seinem Büro im Pariser Rathaus auf Urkundenpapier mit
dem Stempel der Republik verfasst. Er erzählt: »Das war 1942, da konnte man kein Papier
auftreiben. Nachdem ich wieder nach Frankreich zurückgekehrt war, [während des Krieges
war Meckert mit seiner Division in der Schweiz] fand ich eine Anstellung im Rathaus des 20.
Arrondissements, wo ich Todesurkunden auf offizielles Papier schrieb. Um zu sparen, musste
man das Papier durchschneiden. Ich habe etwas davon einbehalten und meinen Roman auf
Papierfetzen mit dem Wasserzeichen der Republik getippt!« Später fügt er in einem Interview
ironisch hinzu, dass sein Verleger bei Gallimard bestimmt nur wegen des ungewöhnlichen
Papiers auf den Roman aufmerksam geworden sei.
Im Roman »Les Coups«, der 1942 in der »Collection Blanche« bei Gallimard erscheint, geht
es um die Eheleute Paulette und Félix, deren Beziehung an ihren völlig unterschiedlichen
Lebenswelten leidet. Paulette stammt aus dem kleinbürgerlichen Milieu und ist darauf
bedacht, den schönen Schein zu wahren. Félix, der aus dem Arbeitermilieu stammt, kann
damit nichts anfangen, ist sprachlos, kann sich seiner Frau nicht verständlich machen. Seine
Hilflosigkeit mündet schließlich in Schläge.
Der Begriff »coups« hat mehrere Bedeutungen: Er kann mit »Hieb« oder »Schlag« übersetzt
werden, aber auch mit »Wunde« oder »Verletzung«. Darum geht es in Meckerts erstem
Roman: um die Schläge, die Félix Paulette zufügt, aber auch um die seelischen Wunden und
Verletzungen an denen beide leiden.
Jean Meckert behandelt ein Thema, das er später als Jean Amila in seinen Kriminalromanen
wieder aufgreifen wird. Sprachlosigkeit, Hilflosigkeit und Unverständnis in Paarbeziehungen
aufgrund unterschiedlicher Lebenswelten.
Ob in »Motus!«, wo die Eheleute ebenfalls aufgrund unterschiedlicher sozialer Herkunft
keinen Weg zueinander finden oder in »Mond über Omaha«, wo die Beziehung zwischen
einer französischen Grundschullehrerin und einem ehemaligen amerikanischen Soldaten
aufgrund des tiefen gegenseitigen Unverständnisses langsam zerbricht.
Der Roman ist nicht auf deutsch erschienen.
Mit Informationen aus: french connection IV, S. 4-7 und Jean Meckert: l’inconnu du noir-express, Quinzaine Littéraire N° 859.