Jean Amila
Schreiben zwischen sozialer Realität und Utopie
Biographie
Das Mysterium um den Vater
Sein Vater verschwindet früh aus Amilas Leben. Es gibt zwei mögliche Erklärungen für das Verschwinden: die eine
besagt, Amilas Vater sei 1917 als Soldat wegen nichtkonformen Verhaltens erschossen worden, um ein Exempel zu
statuieren. Die zweite weniger heldenhafte Version behauptet, er habe mit einer Krankenschwester die Familie
verlassen.
In seinem Roman »le boucher des hurlus« erzählt Amila die Geschichte eines Jungen, der seinen als Verräter
erschossenen Vater rächen will.
Amilas Kindheit im Waisenhaus
Amilas Mutter erträgt den Verlust ihres Mannes nicht und kommt für zwei Jahre in die Psychiatrie. Später arbeitet
sie 35 Jahre lang bei einer Bank als Putzfrau. Amila wächst im Waisenhaus auf. Er liest dort viel.
»Ich bin ein Proletarier«
Mit 13 Jahren beginnt Jean Amila in einer Metallfabrik zu arbeiten, wo er eine Ausbildung macht. Trotz der 55-
Stunden Woche liest er weiterhin die Klassiker der französischen Literatur. Für eine Anstellung bei der Bank lernt
er später englisch. Nach dem Börsenkrach 1929 leistet er seinen Militärdienst ab, nachdem er arbeitslos geworden
war. Wegen unerlaubten Fehlens kommt er für 150 Tage ins Gefängnis. Dann übernimmt er verschiedenste Jobs:
Er arbeitet unter anderem als Mechaniker und Elektriker in Autowerkstätten, als Straßenverkäufer, als
Laufbursche an der Börse und als Verkäufer für Gewinnmethoden im Glücksspiel. Nach Ende des Krieges 
bekommt er eine Anstellung im Rathaus des 20. Arrondissements in Paris. Er muss handschriftlich
Todesurkunden schreiben.
Amila ist Soldat in der französischen Armee. 1939 zieht sich seine Division in die Schweiz zurück und ist dort für
9 Monate immobilisiert.
Amila schreibt seinen ersten Roman »Les Coups«, der 1942 erscheint.
Während des zweiten Weltkriegs ist Amila auch bei der Résistance engagiert. Über diese Zeit veröffentlicht er
1947 den kritischen Roman »Nous avons les mains rouges«.
Der zweite Weltkrieg und die ersten Romane
Veröffentlichungen bei Gallimard
Unter seinem bürgerlichen Namen Jean Meckert veröffentlicht Amila zunächst Romane bei der berühmten
»Collection Blanche« des Verlages Gallimard. Seine Arbeit im Rathaus hat der Autodidakt aufgegeben, um sich
ganz dem Schreiben zu widmen.
Amilas Zeit bei der »Blanche« ist jedoch von kurzer Dauer: Die Romane verkaufen sich nicht gut und sein
umgangssprachlicher Stil passt zur Reihe.
Die »Série Noire«
1950 entdeckt Marc Duhamel Jean Amila als Autor für die Série Noire . Jean Meckert veröffentlicht von nun an
Krimis unter dem amerikanisierten Pseudonym John Amila (später Jean Amila).
Neben seiner Tätigkeit als Krimiautor, arbeitet Amila auch als Drehbuchautor und Szenarist für den Film.
1973: Amila wird Opfer eines Überfalls
Für ein Filmprojekt reist der Autor 1971 nach Tahiti .
Der Umgang der französischen Kolonialherren mit den Eingeborenen, die nach seinen Beobachtungen wie
Sklaven behandelt werden, missfällt Amila. Er verarbeitete seine Eindrücke zu einem Roman »La vierge et le
taureau«, in dem er vor allem auch die Nuklearversuche der französischen Regierung im Pazifik anprangert.
1973 erhält er einen anonymen Anruf, über den er in einem Interview mit seinem trockenen Humor berichtet:
‘Wir werden dir die Fresse viereckig schlagen’. »Ich fand die Wortwahl lustig. Aber genau das ist mir passiert.«
Amila wird von zwei unbekannten Tätern auf seinem Parkplatz zusammengeschlagen.
Die Folgen des Angriffs sind gravierend: Amila liegt für einige Stunden im Koma und leidet unter Amnesie und
Sprachverlust. Vollständig erholen wird er sich nie: 20-25 Jahre seines Lebens bleiben für Amila ein schwarzes
Loch, dafür kehrt die Erinnerung an seine Kindheit um so deutlicher zurück.
Spätwerk
Am 07.03.1995 stirbt Jean Amila, der die letzten Jahre zurückgezogen in Paris gelebt hatte.
Übers Schreiben sagt er: »Ein schöner Beruf, selbst wenn man ihn nicht mehr ausübt.«
Jean Amila wird 1910 als Jean Meckert in Paris geboren. Sein Vater arbeitet bei einem Busunternehmen.
Erst 1981 hat sich Amila von den Folgen des Angriffs so weit erholt, dass er wieder veröffentlichen kann.
Der Krimiautor Didier Daeninckx bezeichnet Amilas Spätwerk als Biographie