Uwe Schmidt entführt uns in eine Welt, die nicht vom Öl, sondern vom Holz beherrscht wurde. Nicht der Lebensraum Wald, sondern die Ressource „Wald", mit Holz als nahezu einzigem Heizmittel und unverzichtbarem Baumaterial steht im Focus seiner Untersuchung. Welche Konflikte entstanden, als diese Zentralressource knapp wurde? Welche Strategien wurden von den Beteiligten (adliger Herrschaft, den verschiedenen Bevölkerungsschichten, dem Gewerbe) zur Lösung des Problems entwickelt? Wie weit reichte ihr Zeithorizont?
Begonnen wird mit einer Analyse der Waldnutzungen (neben der Holzgewinnung, geht es auch immer um Weiderechte im Wald) in den linksrheinischen Gebieten von Saar, Hunsrück, Pfalz und Eifel. Für jeden dieser vier Teilräume beschreibt er eingangs Akteure, Waldzustand und die Reaktionen der Betroffenen auf die verschiedenen Lösungsstrategien.
Uwe Schmidt schöpft dabei aus einer schier unendlichen Fülle von Dokumenten. Er nutzt Forstberichte genauso wie Gerichtsakten, Reisebeschreibungen und Bittbriefe und verdeutlicht so nicht nur die vielfältigen Probleme, sondern zugleich auch die unterschiedliche Perspektive der Betroffenen. Das Ausmaß der Konflikte wird deutlich, wenn beispielsweise einige hundert Kinder wegen Holzdiebstahl inhaftiert oder Forstbeamte schwer misshandelt wurden, letzteres zuweilen mit tödlichem Ausgang. Über die genannten linksrheinische Gebiete hinaus werden in etwas „allgemeinerer" Form die anderen deutschen Gebiete betrachtet und auch der Vergleich zu benachbarten Staatsgebieten gezogen. Es zeigt sich, dass in weiten Teilen Mitteleuropas Holznot herrschte, mit zugleich erheblichen regionalen Unterschieden. Für diese entscheidend waren die Entwicklung des Gewerbes und die Transportmöglichkeiten der damaligen Zeit. So gab es durchaus abgelegene Waldgebiete, von denen aus das Holz nur schwer zu den Zentren des Verbrauchs geschafft werden konnte. Hier und offensichtlich nur hier konnten größere Waldungen den Holzhunger dieser Zeit überstehen.
Wer eine trockene Aneinanderreihung von Aktenauszügen erwartet, wird bei der Lektüre auf das Angenehmste überrascht. Uwe Schmidt gelingt es, nicht nur die ungeheure Materialfülle gut zu strukturieren, sondern die ausgewählten Berichte zu einem fast erzählenden Text zu verdichten. In einer abschließenden Wertung wird kurz auf die ökologischen Folgerungen der Übernutzung von Wäldern eingegangen und auch ein genereller Blick auf den Umgang mit knapper werdenden Ressourcen geworfen; schließlich wurde der Begriff "Nachhaltigkeit" seinerzeit von deutschen Forstleuten geprägt. Auch deshalb ist dieser lesenswerte, informative Ausflug in unsere Vergangenheit hilfreich für anstehende Diskussionen in Gegenwart und Zukunft.
Ulrich Scheidt