»Wie schon Boyle in seinem »Grün ist die Hoffnung« hat auch Krauss Nordkalifornien, Humboldt Country, als Schauplatz seines Krimis gewählt. Was auf den ersten Seiten den Eindruck einer locker-flockigen Kiffer-Geschichte macht, wächst sich mit diesem Ereignis zu einem ziemlich harten und pessimistischen Krimi aus, der zunehmend an Fahrt gewinnt und alles andere außer Lesen zur Nebensächlichkeit verurteilt. Jimmy, der nicht auf den Kopf gefallen ist, weiß sich zu wehren, er versteht es, eine zeitlang persönliche Verluste und Gewinne auszugleichen. Aber irgendwann überschreitet er eine Grenze, die ihm, der alttestamentarisch [1] erzogen wurde, klar macht, daß Buße Leid bedeutet. Großes Leid.
In den fast undurchdringlichen Wäldern Nord-Kaliforniens macht fast jeder sein Geschäft mit dem Stoff. Und keiner vertraut dem anderen, es geht knallhart her, gerade zur Erntezeit. Mexikanische Banden ebenso wie die örtlichen Würdenträger, alle verdienen sich dumm und dusselig an dem Zeug, verstehen aber keinen Spaß, wenn sie bei der Arbeit gestört werden. Kraus macht den Eindruck, als wisse er, wovon er schreibt, er läßt seinen Helden wie einen Rächer durch die Landschaft ziehen, immer unerbittlicher, skrupelloser und härter. Aus dem lebensfrohen Kiffer wird ein von allen gejagtes Wild, das nicht mehr fragt, sondern nur noch handelt, im sicheren Wissen um das Ende der Reise. Er beißt um sich wie ein tollwütiger Hund, hoffend, nach dem letzten Coup doch noch zu entkommen, wissend, daß dem nicht so sein wird. Und dann ist da noch …. nein, schreib ich jetzt nicht, selber lesen, denn:
Facit: nach einer kurzen Aufwärmphase erzählt Kraus eine tierisch spannende Geschichte, die einen so richtig packt!
[1] Die Charakterisierung seiner Mutter durch Kraus muss ich jetzt einfach zitieren, weil ich sie für entlarvend halte für eine der amerikanischen Grundhaltungen: „Als wiedergeborene Fundamentalchristin war Jesus Christus zwar ihr Retter, aber zu Hause hatte sie für das linksliberale Gefasel im Neuen Testament nichts übrig.«
flattersatz 22.11.2010 auf radiergummi.wordpress.com
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