Rezensionen zu »Joint Adventure«

  • »Ein Krimi mit vielen schrägen Charakteren (allen voran der selbsternannte Rasta-Mann Jimmy mit den blonden Dreadlocks), der nicht nur das Lebensgefühl in Kalifornien beschreibt, sondern auch den Drogenanbau an der amerikanischen Westküste thematisiert.« ekz, Helga Winkelmann
  • »Ein Waldspaziergang? Ist eine prima Sache, gesund und erfrischend. Aber nicht unbedingt in den Wäldern im Nordwesten der USA, im oberen Teil Kaliforniens und in Oregon, wo alte Hippies, arbeitslos gewordene Holzfäller und die mexikanischen Gangs ihre Marihuanapflanzungen angelegt haben. Dort wird auf Spaziergänger, die man grundsätzlich für Erntediebe oder Spitzel der Bundespolizei hält, scharf geschossen. Der Deutsche Peter J. Kraus, der in den USA lebt, erzählt in Joint Adventure von der schizophrenen US-Provinz, die einerseits kleinstädtisch konservativ ist, andererseits auf der illegalen Ökonomie des Drogenhandels fußt. Kraus nutzt eine schnoddrige, spöttische, die Verhältnisse zugleich kritisierende und akzeptierende Sprache, die sich aller Moralapostelei enthält. [...]«
    Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung, 20.12.2010
  • »Hat Rasta Jimmy nur garstiges Gras geraucht, oder sollte es ihm das gesamte Karma verhagelt haben? Erst fällt ihm eine Leiche in einen Baumwipfel am Rand seiner Marihuana-Plantage, was das FBI auf den Plan ruft, dann wird er zur Zielscheibe der mexikanischen Konkurrenz und schließlich geht auch noch der korrupte Sheriff (und Quasi-Geschäftspartner) Ollie Oliphant auf Distanz.
    Da kommt die schöne Motelbesitzerin Conchie gerade recht, den ehemaligen Radio-Moderator und jetzigen Marihuana-Züchter auf der Flucht, unter ihre Fittiche zu nehmen. Dass sie es faustdick hinter den hübschen Ohren hat, dämmert Jimmy erst, als die ersten von ihm selbst produzierten Leichen den Wegesrand pflastern. Seine Flucht vor der Polizei, konkurrierenden Drogisten und dem eigenen Gewissen entwickelt sich mehr und mehr von einem schlechten Trip zu einem Riesenfiasko…
    Peter J. Kraus lebt in Kalifornien, schreibt (auf Deutsch) über Musik und Welten, in denen Sex, Crime, Drugs & Rock’n Roll jene Bedeutung bekommen, die ihnen zustehen: Hauptrolle oder zumindest »best supporting actor/actress.«
    Das hat viel nostalgischen Charme; die kompakt hingehauenen Sätze, all das Zögern und Zaudern, das Rasta-Jimmy befällt, bevor er endlich zu Pötte kommt. Ein Mann mit Gewissen und einem kleinen, religiösen Komplex, seiner urchristlichen Erziehung geschuldet, dazu Bob Marleys »Kaya« – man wartet geradezu, dass Sonny Crocket im weißen Leinen-Anzug, apricotfarbenes T-Shirt drunter und Slipper an den sockenlosen Füßen, mit der Machete voran aus dem Marihuana-Gestrüpp stürmt. Doch nichts da: der Marihuana-Anbau hat sich vom romantischen Flirt mit dem Verbotenen zur veritablen, trotzdem illegalen, Geschäftsidee gemausert und zieht neben Augen zudrückenden Gesetzeshütern auch grenzüberschreitende Konzerne des Verbrechens an. Die Globalisierung macht auch vor der Kriminalität nicht halt…
    Skrupulöse Vertreter einer libertinären Gesellschaft mit freier Drogenwahl stehen auf dem Abstellgleis. Oder liegen gar auf der Schlachtbank. Es ist der ewige Kampf des Kleinunternehmers gegen multinationale Konsortien, der Im Falle dieses in der Illegalität spielenden Geschäftsbereichs mit Toten und Beschaffungskriminalität en masse einhergeht.
    Dass der Tonfall von Joint Adventure mit der gloriosen Vergangenheit des Noir, bzw. Hardboiled-Romans liebäugelt, soll nicht verdecken, dass Kraus’ Thema hochaktuell ist. Nicht umsonst wird gerade jetzt dem in Kalifornien heiß diskutierten »Vorschlag 19«, der den Verkauf von Marihuana zu »Erholungszwecken« legalisieren will, eine reelle Chance auf Verwirklichung eingeräumt.
    Selbst der nicht gerade als Freigeist bekannte Gouverneur Kaliforniens, Arnold Schwarzenegger, ist ein vorsichtiger Verfechter der Legalisierungs-Kampagne. Und somit dürfte eigentlich jedem klar sein, dass der Kampf gegen die (noch) kriminellen Machenschaften horrende Summen an Staatskapital verschlingt. Wenn man sparen und Menschenleben retten kann, dürfte einem positiven Abschluss eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Eigentlich.
    Doch leider hat das Verbrechen seine Lobby. Und Peter J. Kraus lässt keinen Zweifel daran, dass gewisse Interesen mit aller Konsequenz verfolgt werden. Das führt zu einer bitterbösen Schlusspointe, die dem klassischen Symbol der Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt eine eigenständige Interpretation hinzufügt.
    Bis dahin ist Joint Adventure die gelungene Transkription der Abenteuer eines Simplicissimus ins Reich der schwarzen Serie, in der es von verschlagenen Cops, durchtriebenen Weibern und unheilschwangeren Schattenkreuzen im Rücken des Anti-Helden nur so wimmelt. Kraus Personal ist ein buntes Sammelsurium der Populär- und Untergrundkultur der letzten 70 Jahre. Während Rasta Jimmy eine Mischung aus spätem Robert Crumb- und frühem Michael Mann-Entwurf sein könnte, fühlt Conchie sich bei James M. Cain wohl sowie der unattraktive Sheriff Oliphant bei Jim Thompson. Derartige Verweise sind vielfältig erweiterbar. Man sollte den Roman aber nicht darauf reduzieren. Denn Joint Adventure bleibt bis zum hinterlistigen – nicht gänzlich unerwarteten – Schlusssatz ein unterhaltsames, beständig gewalttätiger werdendes Vergnügen, das real existierenden Zuständen einen leicht verzerrten, aber trotzdem bodennahen Spiegel vorhält.[...]«
    Jochen König auf www.krimi-couch.de, Dezember 2010
  • »Der in der großregionalen Krimiszene wohlbekannte saarländische Conte-Verlag hat endlich Peter J. Kraus' "Joint Adventure" publiziert. Fair Trade auch für Joints? Von wegen, hier werden dem Leser schonungslos die knallharten Bedingungen nordkalifornischer Cannabispflanzer geschildert. Landschaftlich dominieren feuchte Bergwälder. Mit Schrot geschossen wir u.a. auf Hubschrauber. Das traurige Schicksal einer Hauptfigur hat erzieherischen Wert.«
    Henning Kniesche, Luxemburger Wort, 14.10.2010
  • »Wie schon Boyle in seinem »Grün ist die Hoffnung« hat auch Krauss Nordkalifornien, Humboldt Country, als Schauplatz seines Krimis gewählt. Was auf den ersten Seiten den Eindruck einer locker-flockigen Kiffer-Geschichte macht, wächst sich mit diesem Ereignis zu einem ziemlich harten und pessimistischen Krimi aus, der zunehmend an Fahrt gewinnt und alles andere außer Lesen zur Nebensächlichkeit verurteilt. Jimmy, der nicht auf den Kopf gefallen ist, weiß sich zu wehren, er versteht es, eine zeitlang persönliche Verluste und Gewinne auszugleichen. Aber irgendwann überschreitet er eine Grenze, die ihm, der alttestamentarisch [1] erzogen wurde, klar macht, daß Buße Leid bedeutet. Großes Leid.

    In den fast undurchdringlichen Wäldern Nord-Kaliforniens macht fast jeder sein Geschäft mit dem Stoff. Und keiner vertraut dem anderen, es geht knallhart her, gerade zur Erntezeit. Mexikanische Banden ebenso wie die örtlichen Würdenträger, alle verdienen sich dumm und dusselig an dem Zeug, verstehen aber keinen Spaß, wenn sie bei der Arbeit gestört werden. Kraus macht den Eindruck, als wisse er, wovon er schreibt, er läßt seinen Helden wie einen Rächer durch die Landschaft ziehen, immer unerbittlicher, skrupelloser und härter. Aus dem lebensfrohen Kiffer wird ein von allen gejagtes Wild, das nicht mehr fragt, sondern nur noch handelt, im sicheren Wissen um das Ende der Reise. Er beißt um sich wie ein tollwütiger Hund, hoffend, nach dem letzten Coup doch noch zu entkommen, wissend, daß dem nicht so sein wird. Und dann ist da noch …. nein, schreib ich jetzt nicht, selber lesen, denn:

    Facit: nach einer kurzen Aufwärmphase erzählt Kraus eine tierisch spannende Geschichte, die einen so richtig packt!

    [1] Die Charakterisierung seiner Mutter durch Kraus muss ich jetzt einfach zitieren, weil ich sie für entlarvend halte für eine der amerikanischen Grundhaltungen: „Als wiedergeborene Fundamentalchristin war Jesus Christus zwar ihr Retter, aber zu Hause hatte sie für das linksliberale Gefasel im Neuen Testament nichts übrig.«           
    flattersatz 22.11.2010 auf radiergummi.wordpress.com

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