Rezensionen zu "Grauzone"

  • "Eine Garageneinfahrt, in die Jahre gekommen, die Einfassung lädiert, als schwarzer Fleck darin der Schatten einer Straßenlaterne. Dies ist eine der Illustrationen, die Stephan Valentin Böhnlein für seinen neuen Gedichtband "Grauzone" gewählt hat. Doch sie ist symptomatisch in ihrer Schlichtheit für die kurzen Texte der 56 Gedichte.
    Oberflächlich leicht zu lesen zwingen die knapp bemessenen Worte doch immer wieder zum Innehalten, zum Nachfragen oder zum Weiterdenken. Schließlich schreibt Stephan Valentin Böhnlein über nicht weniger als das Leben und die Liebe, über uns selbst und den Alltag, der uns verschlingt. […]
    In vier Zeilen umreißt er in "Schärenküste" den Menschen und die Welt: "Land ohne Ende / Meer ohne Endlosigkeit / Mensch ohne Endgültigkeit / alles Weitere unendlich". Der Kosmos spiegelt sich in den einfachen Dingen, die "nackten Steine meinem Auge frech entblößt" führen die Gedanken in "die Linien deiner zarten Brüste" und das wässrige Blau des bretonischen Meeres fand er schon einmal – damals "in deinen Augen".
    Stephan Valentin Böhnlein spielt mit den Elementen: Wasser, Wind und Steine sind feste Bestandteile in seiner Grauzone, die alles andere als grau ist. Der Titel mahnt mehr an den Übergang zwischen Bewusstsein und träumerischer Erinnerung, an Wahrnehmen und Empfinden, an Sein und Hoffen.
    In Stephan Valentin Böhnleins einfach scheinenden Gedichten steckt ein gewaltiger Spannungsbogen, die Gegensätze sind fast allgegenwärtig. Momentaufnahmen (Leuchtreklametafeln, die um schwache Aufmerksamkeit buhlen) stehen zeitlosen Visionen gegenüber (dem Kampf gegen die innere Dunkelheit), selbst das scheinbar Einfache wie der Horizont trägt den Widerspruch in sich "an der fernen Schnittstelle zwischen Blau und Blau".
    Vergänglichkeit gegen die Unendlichkeit, die innige Beziehung trotz dem Alltag, die Jahreszeiten werden zeitlos. Stephan Valentin Böhnlein führt den Leser unauffällig in die Grauzone zwischen Realität und Lyrik, zwischen dem Abnicken und der Verführung zum Nachdenken.
    […] mit dem Saarbrücker Conte-Verlag steht ihm auch ein Verlag zur Seite, der seinen "behutsam komponierten", aber sehr kraftvoll gesetzten Worten eine ansprechende Form gibt, die man gern zur eigenen Erbauung zur Hand nimmt – und wie man sie auch guten Gewissens verschenken kann. "
    Rems-Zeitung, 7.4.2010
  • "Zwei Gedichtbände hat der in Schwäbisch Gmünd geborene Böhnlein mittlerweile veröffentlicht [...]: „Am Saum zwischen Nacht und Tag“ (2005) und im vergangenen Jahr den Band „Grauzone“. Gemeinsam sind beiden die Beschäftigung mit den Themenfeldern Natur, Zeit, Stille, Vergänglichkeit, die Synthese von Beobachtetem und Empfundenem, die bildreiche Sprache und der ruhige, manchmal schon fast meditative Sprachfluss.
    In der Form unterscheiden sich die beiden Sammlungen allerdings sehr deutlich voneinander. In seinem ersten Band hat sich Stephan Böhnlein an der formalen Strenge des dreizeiligen, japanischen Haiku orientiert, während er in „Grauzone“ auf freiere Rhythmen und längere Formen zurückgreift. Dabei fesseln vor allem die Dreizeiler durch die feinsinnige Bildmächtigkeit ihrer Sprache.
    Nächtliches Sinnen, Gedanken beim Erwachen am frühen Morgen, Böhnlein rührt mit diesen kurzen, ruhig vorgetragenen Sequenzen beim Zuhörer an eine Saite des Erinnerns, die diesen unwillkürlich bewegt und fasziniert. Auch in den längeren Gedichten sind fein in Worte gesponnene Eindrücke des Augenblicks festgehalten [...]."
    Gmünder Tagespost,  19.03.2010

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen