Rezensionen zu "Giftiger Fisch"

  • "[...] Und wenn auch bisweilen dem (Zeitgeist-)Affen mit Sex and Crime Zucker gegeben wird, serviert Febel doch durchweg solid spannende, bisweilen raffinierte Unterhaltungskost. Es ist schon ein höherer Jux, zu verfolgen, wie in der Titelgeschichte der Erzähler seinen eigenen Tod beim Giftfischroulette in einem japanischen Restaurant schildert, oder wie Außerirdische Samenbänke manipulieren und sich so auf der Erde als hochbegabte Kinder ausbreiten (»Er«). Oder wie eine Zukunftszivilisation nach hunderttausend Jahren auf Überlieferungen der menschlichen Rasse stößt, dies aber auf dem Umweg über die skurrilen Forschungsergebnisse einer Zwischengesellschaft, die von uns heute wie von den Fremden der Zukunft zeitlich und mental gleich weit entfernt ist (»Russische Puppe«). Aus dem Rahmen fällt übrigens die erste Geschichte, »Die Everestbahn«, die allein den Band schon lohnt. Hier werden die Globalisierungsprobleme unserer touristischen McDonaldswelt in einer ausgesprochen cleveren Montage so realitätsnah vermittelt, dass der Leser sich plötzlich verunsichert fragt, ob diese Bahn zum höchsten Berg der Welt nicht tatsächlich (schon) existiert."
    Die Neueste Melusine, Juni 2010
  • "[...] Vielleicht macht es gerade die Mischung seiner schöpferischen Tätigkeit auf musikalischem und schriftstellerischem Gebiet, die die elf Kurzgeschichten so bestechend erscheinen lassen in Sprache und Prägnanz des Sujets. Febel ist ein genauer Beobachter, er lässt nicht locker, bis er sein äußerst detailliertes Wissen dem Leser nahegebracht hat. Der Reiz seiner Sprache liegt in deren klanglicher Umsetzung. [...] Allen Geschichten Gemeinsam ist das Thema Tod, sei es als Grenzerfahrung beim Ersteigen des Mount Everest oder bei der Zubereitung und dem Verzehr eines hochgiftigen japanischen Fisches oder sei es, dass das Individuum den Tod als Prozess wahrnimmt, während dieser sich einstellt. Spannend bleibt jede Geschichte bis zum letzten Wort. [...]"
    Erschienen in der Freilassinger Zeitung, 15. Dezember 2009
  • "Wollten Sie schon immer wissen, wie es aussehen könnte, wenn der Massentourismus den Mount Everest erreicht und der höchste Berg der Welt plötzlich mit einer Panoramabergbahn erschlossen wird? Oder wie man mit Speisefischen russisches Roulette spielt? Haben Sie vielleicht ein Faible für Menschen in Grenzsituationen und für ebenso spannende wie intelligente Erzählungen? All dies sind gute Gründe, einen intensiveren Blick in die soeben erschienene Kurzgeschichtensammlung Giftiger Fisch von Reinhard Febel zu werfen. Dem Kompositionsprofessor am Mozarteum ist mit seinem belletristischen Erstlingswerk ein bemerkenswertes Debüt als Schriftsteller gelungen."
    Thomas Manhart, Salzburger Nachrichten, 12. Dezember 2009
  • "[...] Das gedanklich Tiefe und ästhetisch Bemerkenswerte gelingt Febel durch fantasievoll zupackende und präzis formulierte Handlungsrudimente, die vor dem Hintergrund des immerwährend drohenden physischen Endes die Gegenwartsprobleme des menschlichen Zusammenlebens umso greller beleuchten. Umweltsünden , Betrügereien, Ungerechtigkeiten, sexuelle Anomalien, Intelligenz-Mutationen durch künstliche Befruchtung: Wie bei einer 'Russischen Puppe' werden Schicht für Schicht durch das Freilegen immer wieder neue Hintergründe sichtbar. Ein Fass ohne Boden. So pflügt Febel die menschliche Psyche um, forstet im Unterbewusstsein und fördert erstaunliche tiefenpsychologische Hintergründe ans Tageslicht. Seine Fähigkeit, flüssig, elegant, reichhaltig, treffend und manchmal auch kühn zu formulieren, hebt das Buch aus der literarischen Alltagsflut heraus. Febel, der hauptberuflich als Kompositionsprofessor am Salzburger Mozarteum arbeitet, hat als Musiker ein ganz ursprüngliches Gefühl für Melodie und Rhythmus. Das befähigt ihn, seiner Sprache sensiblen Klang und expressive Ausdruckskraft zu verleihen."
    Peter Schneider in der Saarbrücker Zeitung, 13. November 2009