Rezensionen zu "Eisenhans' Tochter"

  • "Sara ist oft allein. Kommt kurzerhand zu Verwandten, wenn ihre alleinerziehende Mutter keine Zeit für sie hat. Als wieder ein Mann bei ihnen einzieht, bekommt das verträumte Mädchen ein Brüderchen. Doch jetzt schuftet Mutter für Vier. Bis zum Umfallen. Sara rettet sich dichtend ins Reich der Fantasie. Intensives und bildstarkes Debüt über eine Kindheit in Deutschlands Nachkriegsjahren."
    Schweizer Illustrierte, März 2010
  • "Um die Macht und Unerschöpflichkeit der kindlichen Fantasie dreht sich Marion Reicherts anrührender Debütroman 'Eisenhans' Tochter'. [...] Der spannungs- und wendungsreiche Entwicklungsroman ist in eine ganz besondere Epoche des Saarlands eingebettet. Nachkriegs- und Aufbruchsstimmung, französische und deutsche Vergangenheit, Bergbau, Stahlindustrie und eine rußgeschwängerte Luft prägen Anfang der 60er das junge Bundesland. Eine Ära, in der sich Romanheldin Sara entwurzelt fühlt. Nachdem sich ihre Eltern getrennt haben, lebt sie abwechselnd bei verschiedenen Tanten und ihrer jungen überforderten Mutter. Als ihre Oma ein zweites Mal heiratet, erkennt Sara im neuen Großvater 'den König'. Seine Bildung und sein Humanismus sind der Fels in einer unsicher brandenden Erwachsenenwelt. Der König, der selbst auf die schwierigste Frage eine richtige Antwort findet, spricht mit seiner Enkelin auch über das Grimm'sche Märchen vom Eisenhans. [...] Auch Sara muss wie der Märchenheld viele schmerzhafte Prüfungen bewältigen, ehe sie sich auf ihren eigenen Weg begeben und die 'Metamorphose zu einem vollständigen Menschen' vollziehen kann. In ihrem Fall heißt das, alles zurück zu lassen und sich auf die Suche nach dem eingenen Vater zu machen. Dabei war es Marion Reichert ein besonderes Anliegen, die Vaterlosigkeit einer ganzen Generation zu schildern."
    Veronika Zettler in Der Sonntag, 10. Januar 2010
  • "Eisenhans' Tochter" ist ein Roman über eine Kindheit, gleichzeitig ein Märchen für Erwachsene, bei dem Magie und Realität nah beieinander liegen.
    Marion Reichert im Gespräch mit Gabriele Hauger, Oberbadisches Volksblatt, 13.01.2010
  • "Buchstabenschweine, 26 an der Zahl, der Großvater, ein König, ein Brauereigaul mit dem erstaunlichen Namen 'Nôtre Goethe' und an den Fensterläden Eisenmännchen. Das ist die Welt von Sara, deren Mutter Lore alles daransetzt, dass sie erst gar nicht das Licht der  Welt erblickt.
    'Lore versuchte sich in verschiedenen Techniken. Sie fuhr über Stunden mit dem Fahrrad, bis sie völlig erschöpft in einen Straßengraben fiel und sich nicht mehr rühren konnte. Sie sprang mit zwei Eimern Wasser vom Küchentisch. Sie stürzte sich in ein heißes Bad. Doch es nutzte alles nichts. Lore, die Wilde, musste sich in ihr Schicksal fügen und Sara erblickte das Licht der Welt im Sommer 1957. Im selben Jahr, als das Saarland Bundesland der erst acht Jahre jungen Republik wurde.'
    Es ist eine zauberhafte Geschichte, ich habe mit Sara gehofft und geträumt, gebangt und gelitten und fühlte mich zurückversetzt in meine eigene Kindheit. Die habe ich nicht im Saarland erlebt, sondern in Franken, aber wie sich das doch ähnelte."
    Silvia Hudalla für www.sr-online.de, 11. Dezember 2009
  • "Von der Magie der Dinge und der Magie der Worte, die erstere noch übersteigt, erzählt der Debütroman Eisenhans' Tochter der aus dem Saarland stammenden Autorin Marion Reichert. In die Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit im Saargebiet wird Sara hineingeboren. Es ist eine Zeit, die für sie weniger an Segnungen denn an Entbehrungen zu bieten hat. [...] Sprachlich knapp und prägnant erzählt Reichert konsequent aus Kindersicht mit deren Naivität und komischer Logik und doch distanziert von der Enge und Rigidität einer Zeit, die trotz neuer wirtschaftlicher Errungenschaften Heranwachsenden recht wenig Entfaltungsmöglichkeiten bot. Eine Zeit, in der Prügelstrafe, Frömmelei und Weihwasserbecken im Heim noch angestammte Rechte hatten. Marion Reicherts erstes Buch liest sich intensiv und authentisch, Zeitsprünge scheinen unwillkürliche Gedankenflüge zu sein. Natürlich steckt noch eine Geschichte hinter der offensichtlichen, eine mit märchenhaften Motiven, denn Sara weiß sich wie Eisenhans in ihrem eigentlichen Sein unerkannt. Gewässer ziehen sie magisch an, sie gerät in Flüsse und Bäche, fällt schließlich in einen Brunnen und fühlt beim Fast-Ertrinken kein Erschrecken. Fensterlädenhalter sind Eisenmännchen, ihr Großvater ein König und Sprache ein zauberhaftes Ding, das alles schöner machen kann. Ein Glaube an Worte, der hier praktisch Taten folgen lässt, wie im Märchen."
    Ruth Rousselange, Saarbrücker Zeitung, 25.09.2009