Rezensionen zu "In einem nahen Land"
- "Das Buch zeichnet sich durch seinen Detailreichtum aus. Emmerlings Skizzen und Notizen sind ein Füllhorn von Geschichte und Geschichten. Mit einer sehr sensiblen Sprache, die die Liebe zum Thema erkennen lässt, zeigt der in Saarbrücken lebende mehrfache Grimme-Preisträger, wie mannigfaltig Lothringen ist, welche Geistesgrößen und Künstler es hervorgebracht hat bzw. welche Schriftsteller, Philosophen oder Maler im Laufe der Jahrhunderte in der Region lebten. Etwa Voltaire, Madame de Stael, Jacques Callot, Georges de La Tour, Johann Michael Moscherosch, der Amtmann von Finstingen, Franz Marc, Alfred Döblin und dessen Sohn Wolfgang.[...]Auch wenn Emmerling in einer Vorbemerkung zu seinem Buch ausführt, dieses enthalte eine subjektive Wahl von Zielen, von Orten, Historien und Personen, kann man dem Autor bescheinigen, dass die von ihm getroffene Wahl eine repräsentative Auswahl für das Verständnis Lothringens ist.[...]Das Buch hinterlässt auch von seiner Gestaltung her einen sehr positiven Eindruck. Eine von Matthäus Seutter geschaffene Karte Lothringens aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ziert den kartonierten Bucheinband. Der Band ist mit zahlreichen Abbildungen aus dem Privatarchiv des Autors versehen. Angesichts der zu einzelnen Figuren in vielen Beiträgen zu findenden Querverbindungen ist allerdings die Frage nahe liegend, ob dem ganz hervorragenden Buch nicht doch ein Personenregister gut getan hätte."
Bernhard Dahm in Saarbrücker Hefte, Nr. 102, Winter 2009
- "Durch Lothringen führt uns Hans Emmerling. In einem nahen Land ist ein herausragendes Buch in puncto Landschaft und Geschichte der Nachbarregion. Viele schöne, plastische und einfühlsame Beschreibungen, kein Reiseführer im eigentlichen Sinn, sondern eine sehr subjektive Auswahl von Orten, Geschichten, Personen."
Michael Lentes auf www.sr-online.de, 07. Dezember 2009
- "'Döblin', so Brecht in seinem Arbeitsjournal, 'verletzt mit seiner Ansprache die 'irreligiösen Gefühle der meisten Feiernden'.' Döblin habe diese Erleuchtung, von der er seinen Geburtstagsgästen im amerikanischen Exil 1943 erzählte, drei Jahre vorher in Lothringen, wo er stationiert gewesen war, 'erlitten'. Solche Sätze mit sorgfältig recherchierten Zitaten wirken wie ironische Kommentare und charakterisieren Hans Emmerlings 'Skizzen' über Lothringen. Mit derartigen, zunächst scheinbar zusammenhanglosen Assoziationen ist dieses Buch über Lothringens Geschichte voll. Emmerling will sein Buch nicht als Reiseführer, nicht als Kultur- oder Kunstgeschichte gelesen sehen. Er trifft auf höchst kunstvolle, intellektuelle und geistreiche Weise eine „subjektive Wahl“ von Zielen, Orten, Historien und Personen, „um die Aufmerksamkeit für Lothringen zu mehren“. Und in der Auswahl dessen, was er erzählt und wie er Zusammenhänge herstellt, streut er ganz unterschwellig und nebenbei seine eigene Lesart der Geschichte und seine Auffassungen über das Leben schlechthin. [...] Bedauerlicherweise fehlt in diesem Buch das Kartenmaterial, das einem die Orientierung erleichtern könnte für diese espritreiche, augenzwinkernde Reise durch die Zeitläufte, die sensibilisiert für scheinbar idyllische Orte, durch die wir heute gedankenlos wandern, fahren, rasen."
Uschi und Andreas Schmid-Lenhardt im luxemburger Tageblatt aus Esch, 27. Oktober 2009
- "Wer sich für Lothringen im Besonderen oder die Grenzregion zu Frankreich im Allgemeinen interessiert, wird aus 'In einem nahen Land' viel mitnehmen können."
S. Hunsicker auf www.media-mania.de
- "Mit 'In einem nahen Land' legt Hans Emmerling ein glänzendes Lothringen-Brevier vor. Der Saarbrücker Conte Verlag entwickelt sich zum Lothringen-Spezialisten. [...] Wie keine andere Region Frankreichs war diese jahrhundertelang Spielball, Zwischenreich, ewiger 'Fleckerlteppich' wechselnder Besitzer. Der Scherbensammler Emmerling setzt dieses Geflecht der Schreckens- und Erinnerungsorte meist auf dem Weg behutsamer biografischer Annäherung ins Licht. [...]"
Christoph Schreiner in der Saarbrücker Zeitung, 24.08.2009
- "[...] Emmerling nimmt den Leser sofort mit und an der Hand, keine Sekunde Langeweile kommt auf. Und nicht nur weil der tief in sein Sujet eintaucht und noch viel mehr darüber weiß.
Los geht es mit Alfred Döblin. Der ist ja bekannt als Autor des Jahrhundertromans „Berlin Alexanderplatz“ [...] Weniger bekannt dürfte sein, dass Döblin während des ersten Weltkrieges als Militärarzt in Saargemünd stationiert war. Literarischer Ausfluss dieser Zeit : „Das Gespenst vom Ritthof“. Der liegt im Saarland in der Nähe von Bliesransbach. Aber Emmerling geht noch weiter in der Döblin`schen Familiengeschichte, erzählt die traurige Geschichte des Sohnes Wolfgang, eines Mathematikgenies, der als französischer Soldat im Angesicht der vorrückenden Nazi – Truppen Selbstmord begeht. Und so geht es weiter, oft das Kleine im Großen suchend und umgekehrt. [...]
Und weiter in Emmerlings Tour d`Horizon in Sachen Lothringen, Landschaft, hier gelingen ihm sehr schöne, plastische einfühlsame Beschreibungen, Historie und Menschen. [...]
In einer kurzen Vorbemerkung schreibt Emmerling, es sei kein Reiseführer, keine Kunst – oder Kulturgeschichte, sondern eine subjektive Wahl von Zielen, Orten, Historien und Personen. Aber, man kann es natürlich auch als das nutzen, was es alles nicht sein soll. Für den literarisch und historisch Interessierten wird es ein Vergnügen sein."
Michael Lentes in "Region am Nachmittag", SR3, 18.08.2009 (pdf)
- [...] Einige Kapitel des Buches bieten Bekanntes, wie die wilheminisch geprägte Geschichte des Metzer Bahnhofs. Aber gut recherchiert und spannend zu lesen sind etwa Ihre biographischen Annäherungen an Franz Marc oder Yvan Goll. Die Geschichte der jahrelangen Verbannung Voltaires nach Lothringen, wo er mit der jungen Emilie de Chatelet lebte. Ihre Schilderung der Reise der Mme de Stael von Lothringen nach Deutschland und so weiter. Gut gefallen haben mir der unaufgeregte Ton, in dem Sie diese Geschichten erzählen und Ihre Kompetenz. [...] Man findet in dem Buch "In einem nahen Land - Lothringen - Skizzen und Notizen" auch Kapitel über die sogenannten heiligen Berge, die Badeorte und über Ortsnamen, etwa Goncourt und Savigny."
Ralph Schock im Gespräch mit Hans Emmerling, SR-2 Bücherlese, 08. August 2009