Interviewauszug:
tagesschau.de: Jetzt wird viel Geld in die Hand genommen, um die Krise zu bewältigen. Wie bewerten Sie dieses Konzept?
Frank: Die Regierungen sollten aufhören, Geld nutzlos zu verpulvern. Die Krise der Wirtschaft besteht darin, dass sie sich an neue Bedingungen anpassen muss. Die Zeit der "Bubble-Economy" ist vorbei, von nun an wird die Nachfrage sich wieder an den tatsächlich vorhandenen Ersparnissen ausrichten müssen statt an einer immer weiter wachsenden Verschuldung der Konsumenten. Dieser Anpassungsprozess wird durch Maßnahmen wie die Abwrackprämie verlangsamt: Ihr Ziel ist es ja, Verbraucher durch den Kauf eines Autos in Schulden zu treiben. Und durch die Verschrottung fahrtüchtiger Autos wird Wohlstand vernichtet, nicht geschaffen.
Stefan Frank im Interview mit Patrick Gensing, www.tagesschau.de
"[...] Mit einer bemerkenswerten Recherche-Leistung skizziert Frank, wie sich [...] Einzelstimmen zu einem neoliberalen Meinungsbollwerk zusammenfinden. ein eigenes Licht als Prognostiker stellt Frank dabei nicht unter den Scheffel: Bereits seit 2002 kommentiert er treffend die fragile Situation am US-Hypothekenmarkt und der sich zuspitzenden Situation an den Finanz- und Kreditmärkten. Das hat anscheinend selbst die 'FAZ' so beeindruckt, dass sie sein Buch zur Lektüre empfiehlt. Und tatsächlich beherrscht Frank die eloquente Reduktion von Komplexität. Die Hintergründe der 'modernen Finanzalchemie' und den Weg 'von der Goldmünze zum synthetischen CDO' erklärt er leichtfüßig und mit feiner Ironie. Was erhellt, ist dennoch nicht heiter: 'Es ist ein Irrtum zu glauben, was Lehmann Brothers widerfahren ist, könne nicht auch einem Staat passieren. Man wirft Banken vor, sie hätten Risiken übernommen, die ihre Finanzkraft weit übersteigt – und nun machen die Staaten genau das Gleiche.' Dass in der Londoner City die Laune wieder steigt, alte Kräfte gebündelt und gegen etwaige äußere Einflussnahmen in Stellung gebracht werden, zeigt an, wohin die Reise geht."
Laslo Scholtze auf www.literaturkritik.de, 01.10.2009