Rezensionen zu "Die Legende von den traurigen Seen"

  • "Offene Fragen, literarisch beantwortet. Amnon sucht nach seiner wahren Identität: War sein Vater ein Nazi oder nicht? In den Kriegswirren änderten Juden, wenn möglich, ihre Namen, um untertauchen zu können. Die Existenz mehrerer Namen seines Vaters verunsichern Amnon.
    Tausend verwirrende Gedanken drehen sich in seinem Kopf: 'Vor wem habe ich Angst? Bin ich die 'zweite Generation'? Wozu ziehe ich durch die ganze Welt zu Treffen der Kinder Überlebender? Warum kann ich das Getane, das Geschehene, die Zahlen nicht begreifen? Bin ich Nazi oder Jude? Bin ich der Starke oder Schwache? Bin ich der Jäger oder der Gejagte? Wer brachte Hitler an die Macht? Ist jeder Deutsche ein Nazi?' Auf all diese Fragen sucht Amnon die Antwort, und dabei trifft er auf viele Personen, auf ganz unterschiedliche Charaktere, die dieses starke Buch zusätzlich bereichern. Zwischen den Gedanken derer, denen er begegnet, und seinen eigenen Gedanken bewegt sich Amnon hin und her. Dass der Autor Itamar Levy, 1956 in Tel Aviv geboren, mehrere Protagonisten in der 'Ich-Form' erzählen lässt, macht das Lesen nicht immer einfach.
    'Die Legende von den traurigen Seen' ist ein anspruchsvolles Buch. Es verlangt Interesse am Thema und Vorkenntnissen zum 2. Weltkrieg sowie dessen Auswirkungen und Folgen.
    Israel und Deutschland, Juden und Nazis, Erlebnisgeneration und Nachfahren – das sind Dreh- und Angelpunkt dieser Lektüre. Wenn man sich eingelesen hat, ist es für junge Leser höchst mitreißend zu erfahren, welche offenen Fragen den Menschen um seine Herkunft bewegen, warum und vor allem wie sich Amnon mit der Vergangenheit und deren Bewältigung auseinandersetzt. (Ab 16)"
    Susan Müller auf der Kinder- und Jugendbuchseite www.librikon.de, 23.07.2009
  • "Ein halbes Jahr sitzen die beiden in der Regel an einem Buch, leben dann förmlich darin und lesen sich durch Hintergrundliteratur. Loos: "Wenn Itamar Levy einen Roman im Sprachstil des Koran schreibt, lese ich auch den, um mich einzufühlen, wenn es in einem Roman um Yoga geht, besuche ich einen Kurs." [...] 'Wir sind quasi Schattenmenschen, müssen unsichtbar bleiben, denn niemand will ja uns lesen, sondern den Autor', sagt Loos. 'Doch wenn die Zürcher Zeitung Itamar Levy für den großen literarischen Wurf lobt, wissen wir, wir haben dazu beigetragen.'"
    Die Übersetzerinnen Vera Loos und Naomi Nir-Bleimling im Interview mit Silvia Buss, Saarbrücker Zeitung, 24. März 2009
  • "Als er an seinem Buch Die Legende von den traurigen Seen schrieb, das vor Kurzem in Deutschland erschienen ist, beschäftigte sich Levy erstmals intensiv mit der Schoa. Normalerweise entwickelten sich seine Geschichten nach dem erten Satz von allein in eine Richtung. Bei diesem Buch, das von dem Israeli Amnon Grynberg handelt, dessen Vater Ende der 80er Jahre verhaftet wird, weil er in Wahrheit der SS-Obersturmführer Joachim Kruhn sein soll, war es anders. Levy saß im Bus hinter einem Mann, dessen Nacken ihn an John Demjanjuk erinnerte, einen ehemaligen ukrainischen KZ-Wächter. "Da dachte ich, Israel wäre der beste Platz für einen Nazi, um sich zu verstecken, weil hier niemand damit rechnet." So nahm die Geschichte ihren Lauf. Persönliche Verbindungen zum Holocaust hat der Autor, dessen Eltern in den 30er-Jahren aus Polen und der Türkei einwanderten, nicht. "Aber in Israel ist man die zweite Generation nach der Schoa, auch wenn man nicht persönlich betroffen war." Wie Levy zu seinem eigenwilligen, zwischen Zeitebenen und Perspektiven, Fantasie und Realität springenden Erzählstil kommt, kann er nicht erklären. "Ich denke nicht, wenn ich schreibe", sagt er."
    Indra Kley, in der Jüdischen Allgemeinen Nr. 11/09
  • "Wie in seinem 1997 in Deutschland erschienenen Roman "Buchstaben von der Sonne, Buchstaben vom Mond" benutzt der 1959 geborene, in Tel Aviv lebende Levy eigenwillige Handlungs- und Erzählformen, um sich einem schwierigen Thema – hier der Unfassbarkeit des nationalsozialistischen Rassismus – auf neue, verstörende Art zu nähern. [...] Der gezielt eingesetzte Nazijargon, das Nebeneinander von historischen und von erdachten skurrilen Figuren lässt verblasste Bilder des Grauens neu und grell erscheinen. Ein sehr anspruchsvolles und den Leser im wahrsten Sinne des Wortes erschöpfendes Buch."
    Helga Glaas, ekz-Informationsdienst, Januar 2009.