"In jeder Kleinstadt [...] gab und gibt es die, die das Sagen haben und die sich aufgrund ihrer herausgehobenen Position auch manches Unerlaubte herausnehmen können - Honoratioren, Stammtischbrüder, lokale Würdenträger, gewählt oder selbst ernannt, der ganze Filz eben, zu dem einer gehört oder nicht gehört - und den großen Haufen all jener kleinen Lichter, die immer den Kürzeren ziehen, wenn sie versuchen, gegen Erstere anzustinken. Arme Leute halt. Hier ist es Klaus Pirrmayer, Ex-Ordnungshüter und Ehemann einer unter merkwürdigen Umständen zu Tode Gekommenen, der sich mit den Großkopferten in seiner Gemeinde anlegt. Nachdem er einem von ihnen in guter alter Van-Gogh-Manier ein Ohr abgesäbelt hat, wandert er für drei Jahre hinter Gitter, taucht aber sofort nach seiner Haftentlassung wieder auf und macht sich scheinbar einen Spaß daraus, die, welche ihn gern auf Nimmerwiedersehen losgewesen wären, allein durch sein Herumsitzen in den Cafés der Fußgängerzone auf die Palme zu bringen. In seinem Schlepptau: Ge-Li-Ka, das 'Rolls-Royce-Mädchen auf der Golfhaube'. Die hat mit allen was gehabt, die Pirrmayer schon die eigene Frau, die aus besseren Verhältnissen kam, nicht gönnten. Und die nun die Zähne fletschen angesichts der Tatsache, dass dieser Taugenichts sowohl finanziell [...] als auch sexuell wieder auf die Butterseite gefallen zu sein scheint.
Doch Kaufmann, Bankdirektor, Lehrer und Archivar [...] verfügen natürlich über Möglichkeiten, dem Spuk ein Ende zu bereiten. Hat man erst einmal gemordet, um das Aufkommen von Gerüchten um jenen seltsamen Unfalltod der Cordula Pirrmayer zu verhindern, kommt es auf ein oder zwei Verbrechen mehr auch nicht an.
Am Ende leben schließlich nur noch die Allereinfältigsten. Aber der Schein trügt. Denn in einem als komplett meschugge geltenden Stadtstreicher und der zu einer gefährlichen Schönheit heranwachsenden jüngeren Schwester eines der Mordopfers bleibt nicht nur die Erinnerung an das Geschehene wach, sondern auch Zorn und Rachegelüste, die auf ihre Stunde warten.
Es fällt schwer, Arme Leute ein Etikett aufzudrücken. Rudolphs Roman ist weder richtig hard boiled noch veranstaltet er das gute alte Täterquiz im Landhausstil. Nein, hier ist ein Autor am Werk, der abgeklärt auf unsere Wirklichkeit blickt und weder mit Klischees liebäugelt, noch falsche Hoffnungen zu erwecken gedenkt. Deshalb kommt am Ende alles raus, aber nichts ändert sich. Der Sieg der Gerechtigkeit wird bloß in die Zukunft verschoben. Aber selbst wenn er eines Tages stattfinden sollte - auch da wird es sich gewiss um keine saubere Sache handeln."
Dietmar Jacobsen auf www.text-und-web.de, Januar 2010
"'Irgendwann bekam ich die erste Faust ins Genick. Mein Kopf verschwand in Holsteins Schwitzkasten, eine Schuhspitze verfehlte meine Hoden knapp, eine weitere Faust meine Nase leider nicht. Was hatten sie geglaubt? Dass ich mich nicht wehren würde?' Ich gestehe, ich habe dieses Buch nach dem ich den Klappentext gelesen hatte, mit spitzen Fingern aufgeschlagen. Aber dann hat mich Dieter Paul Rudolph doch in seinen Bann gezogen. Rudolph ist ein genauer Beobachter und großartiger Erzähler mit skurrilen Einfällen. Für zart Besaitete schreibt der Literaturwissenschaftler aus Blieskastel allerdings nicht."
Silvia Hudalla für www.sr-online.de, 10. Dezember 2009