Rez. zu "Der dicke Fisch von Wolckenstein"
- "Die Reihe um den fiktiven Ort Wolckenstein geht weiter. Gewürzt mit Seitenhieben auf alle politischen Parteien und lokalen Vereine, ist dieses Mal neben dem neuen Bürgermeister Theo Tonseidel der Anglerverein im Visier des Autors. So soll doch im vereinseigenen Weiher ein Wels, genannt Cuno, sein Unwesen treiben und harmlose Dackel beim Abendspaziergang verspeisen. Das Anglervereinsfest mit überregionaler Prominenz und einem französischen Sachverständigen bringt schließlich die Lösung."
Julia Noe, Die Stadtredaktion, Juli 2011, komplett hier.
- "[...] Vielleicht ist es bloßer Zufall, aber für den Conte Verlag scheint das Jahr 2009 das Jahr der Fische gewesen zu sein. Wobei der dicke Fisch, von dem hier die Rede ist, ein Fantasieschemen sein dürfte, um das herum sich eine wahre Provinzpolitposse entwickelt. In deren Zentrum steht der neue Bürgermeister Theo Tonseidel, ehemaliger Versicherungsmann und nun Repräsentant der Partei »Demokratische Mitte«. Dies wird von Schwarz und Rot gleichermaßen umworben wie bekämpft. Letzteres vor allem, weil sich im Wolckensteiner Teich angeblich ein riesiger Wels herumtreibt, der Dackel verschlingt - ein scheinbar immenses Sicherheitsrisiko, das einerseits beunruhigt und zugleich ein skurril-amüsantes Wettangelfest heraufbeschwört. Vor diesem Hintergrund lernen wir die unterschiedlichsten Typen als Personal eines Romans kennen, der streckenweise im schweifend-ironischen Jean-Paul-Stil entworfen ist. Besonders gelungen erscheint dabei die Darstellung der deutschen Kleinstadtnacht (S.132ff). [...]"
Die Neueste Melusine, Juni 2010
- "Zu Recht bezeichnet der Klappentext Imbsweilers Wolckensteinromane als »turbulente Polit- und Gesellschaftskomödie«. Einen Jux will er sich machen, könnte man mit Nestroy sagen. Wolckenstein ist eine Mischung aus Krähwinkel und Schilda. Ob die Wolckensteiner ein obskures Kulturzentrum in einem stillgelegten Steinbruch planen, ob sie in einer Art Dorfverschönerungswettbewerb den Titel Kleinod Deutschland erringen wollen, oder ob sie ihren Riesenwels jagen, der – man höre und staune – einen Dackel verschlungen haben soll, immer hat die Wolckensteiner Lokalpolitik etwas von Kasperltheater und Possenspiel an sich. Auch die Wolckensteiner selbst schrammen alle mehr oder weniger haarscharf an Klischee und Karikatur vorbei. Imbsweiler ironisiert sie, macht sich über die lustig und verspottet sie nach allen Regeln der Kunst. Der dicke Bürgermeister Probst ist laut, verfressen, machtgeil und von bescheidenem Intellekt, sein Nachfolger Tonseidel ein unbedarfter Versicherungsvertreter mit einem ausgeprägten Krawattentick, die Vorzeigefrau der im Stadtrat regierenden Partei »Demokratische Mitte« ist eine besonders aalglatte und verschlagene Intrigantin, Dr. Hammerstein, in dessen Praxis sich halb Wolckenstein trifft, kurbelt den Umsatz der Apotheke seiner Frau dadurch an, dass er besonders großzügig Rezepte verschreibt, und der Fabrikant Junkerath produziert ausgerechnet Zinnsoldaten – es hätte einen nicht gewundert, wenn es Gartenzwerge wären. [...] Imbsweiler hat seine Wolckensteinsaga – der Krimiautor lässt grüßen – mit viel Tempo, viel Routine und einer gehörigen Portion Sprachwitz geschrieben. Er ist ausgesprochen dialogsicher, wechselt Zeit und Ort in atemberaubendem Tempo und organisiert souverän sein Großaufgebot von Personen. Er schafft es sogar, ellenlange und eigentlich dröge Ausschuss – und Fraktionssitzungen noch halbwegs interessant zu beschreiben.[...]Imbsweilers Wolckenstein-Chronik ist, von ein paar Längen und einigen sprachlichen Eitelkeiten abgesehen, eine gut geschriebene und unterhaltsame Politkomödie. Man lacht über diesen verrückten Kleinstadt-Horrorladen, der alle unsere Vorurteile über Kommunalpolitik und Provinzmief bestätigt. Man amüsiert sich über diese dummdreiste, intrigante und zugleich kreuzbiedere Bande von Kommunalpolitikern und ihre Eitelkeiten, Winkelzüge und schrägen Politaktionen."
Dietmar Schmitz in Saarbrücker Hefte, Nr. 102, Winter 2009
- "'Der dicke Fisch von Wolckenstein' ist nach 'König von Wolckenstein' der zweite Teil der Chronik des fiktiven Ortes Wolckenstein. Im ersten Teil durften wir daran teilnehmen, wie der Versicherungsvertreter Theo Tonseidel mehr zufällig und auf amüsante Weise Bürgermeister wurde. Jetzt, im zweiten Teil, ist Tonseidel Bürgermeister und hat es gleich mit dicken Problemen zu tun. So soll sich im Greiffenweiher ein Riesenwels umtreiben, der angeblich schon einen ganzen Dackel verspeist hat. Das Städtchen ist in Aufruhr, Angelfreunde und Tierschützer stehen sich gegenüber, in Kneipen und Schulen wird diskutiert. Doch damit nicht genug: Auch mit einem Neubaugebiet gibt es Ärger – und das könnte dem Bürgermeister noch richtig gefährlich werden. Dabei liebt Tonseidel das Politik-Geschäft nur so lange, wie es schön ruhig bleibt und er seine Krawatten ausführen kann. Trotzdem schafft er es immer wieder, zur richtigen Zeit den richtigen Ton zu treffen und so stolpert er die Karriereleiter hoch.
Die Wolckenstein-Chronik zu lesen ist, als würde man die tägliche Seifenoper im Fernsehen verfolgen – eine Seifenoper von der besten Sorte allerdings. Denn Imbsweiler hat es geschafft, sich in Sachen Witz und Formulierungskunst gegenüber dem 'König von Wolckenstein' noch einmal zu übertreffen. Treffsicher und elegant verwoben bietet er uns all die Verstrickungen, Eitelkeiten und Machenschaften der Wolckensteiner dar. Und wieder hat man das Gefühl: Imbsweiler hat genau hingeschaut. Er kennt sich sowohl in den Hirnwindungen windiger Parteikandidaten als auch pubertierender Jugendlicher offenbar bestens aus. Ein Lesegenuss, eine gelunge Gesellschaftskomödie – ich freue mich auf einen dritten Teil.
Dorothee Scharner, SR3 Saarlandwelle, "Lesezeichen", 16.02.2010
- "Spezialität des Autors sind Charakterbeschreibungen vor allem aus dem kleinbürgerlichen Milieu. Mit wenigen Pinselstrichen zeichnet er auch in seinem neuen Werk das Bild der bunten und skurrilen - lokalpolitischen - Gesellschaft in der fiktiven Stadt Wolckenstein. Dabei trifft er wunderbar die Diktion der - vermeintlichen - Honoratioren. Der freundliche und von Sympathie getragene Witz entsteht vor allem durch den Kontrast zwischen der 'Amtswürde' der Protagonisten und den menschlich, allzu menschlichen Charakteren. Das ist hintersinnig, aber nie böse und - wenn man etwas Schlechtes sagen wollte - ein bisschen brav, weil die bürgerliche Ordnung nie grundsätzlich infrage gestellt wird. Doch vielleicht liegt gerade darin sogar eine gewisse Subversivität. Wer das bei aller Intrige funkionierende Gemeinwesen als notwendigen Rahmen anerkennt, macht heute wahrscheinlich eine nonkonformere Aussage als die Sperma-und-Kotze-Ergüsse, die soziale Verantwortung nicht einmal vom Hörensagen kennen."
Christian Eidloth, ekz-Bibliotheksservice
- "[...] Vor zwei Jahren ließ [Markus Imbsweiler] in König von Wolkenstein einen Versicherungsvertreter zum Bürgermeister werden. Mit viel Wortwitz lässt er seinen Helden aus dem ersten Buch Theo Tonseidel auf dem kommunalen Gebiet weiter wildern. Eine herrliche Gesellschaftskomödie mit skurrilen Personal.[...]"
Sören Meng, VIPs-Magazin Neunkirchen, Dezember 2009
- "Riesenwels verschlingt Dackel. [...] Skurril und augenzwinkernd geht es zu in Marcus Imbsweilers neuem Roman 'Der dicke Fisch von Wolckenstein', der als zweiter Teil einer dörflichen Politchronik die kleinkarierten Mittelmäßigkeiten einer albernen (und doch so realistischen) Welt auflistet. In Tonseidel, dem 'konservativen Menschen, der es sich mit keinem verscherzen will', konzentriert sich alles, was im kommunalpolitischen Bereich als das 'Übliche' gilt: Karrieredenken, Wahlstimmenfang, krumme Finanztransaktionen. Aalglatt windet man sich aus allem heraus – die örtliche politische Leiter erklimmend. Imbsweiler hat in seinem ersten Chronik-Teil 'König von Wolckenstein' (2007) schnurrig geschildert, wie aus einem farblosen Bürger Unbedarft durch 'Vitamin B' und parteipolitisches Engagement ('Demokratische Mitte') ein Ortsbürgermeister gezimmert wird. In seinem neuen Roman lässt der Autor seinen Helden noch weiter aufsteigen: […] Aber Nomen est omen! Alles steht ja auf tönernen Füßen. Denn 'Tonseidel' ist ein sprechender Name – ein Tonkrug ist nämlich ein chnell zerbrechendes Gefäß. Überhaupt dienen Namen dazu, Politiker charakterlich zu demaskieren. 'Severin Rohfleisch' heißt ein örtlicher CDU-Bonze. Da ist jede Erklärung überflüssig. […] Es ist vergnüglich zu lesen, wie an Hand von Nichtigkeiten das intellektuell mindere Niveau im Volk karikiert wird – die Wels-Geschichte ist nur ein Paradebeispiel. […] Ein Roman mit […] hohem Unterhaltungswert."
Saarbrücker Zeitung, 27.10.2009