Maidon Bader
Vegetarische Tage
Roman
Dieser Name ist eine Hypothek, an der sie schwer trägt: Circe Andromache, Anfang zwanzig und noch recht grün. Während ihr Vater als Missionar mit Frau und Sohn in Brasilien neue Wege geht, stürzt Circe sich ins Studentenleben. Die Philosophie soll ihre Fragen beantworten. In der Wohngemeinschaft auf dem Land kann sie experimentieren, probieren: die vegetarische Küche, Cannabis aus eigenem Anbau, die Liebe. Oder vielleicht ist es auch nur die Vorstellung davon, was Liebe sein könnte. Circe erzählt gern, am liebsten von anderen. Die Geschichten über sich selbst verändert sie immer wieder, bis sie ihre eigene findet, ihrer antiken Namensgeberin nicht unähnlich.
Eine Geschichte um das Erwachsenwerden, virtuos erzählt, erotisch und widerspenstig.
Buch-Auszug:
Es war nicht der Sex mit Zahn, der mich fertig machte, der unbekifft genauso langweilig war wie das, was ich vorher mit John erlebt hatte, sich nur ein bisschen hohler anfühlte; und auch nicht die Tatsache, dass Zahn keine Zeit mit Spielereien vertat. Es war der nächste Morgen, als wir uns am Frühstückstisch wiedersahen und Zahn nur drei Sätze sagte. Erstens: dass er eine Freundin habe. Zweitens: dass wir es ja mal wieder machen könnten. Und eine halbe Stunde später, nachdem er die Zeitung, die sein Gesicht verdeckte, weggelegt hatte: Was ist los? Du isst ja gar nichts. Soll ich dir ein Wurstbrot schmieren? Da bemerkte ich, dass vor mir auf dem Tisch noch immer die Dose mit Leberwurst stand. Die Ränder waren angetrocknet, und vom Geruch, den sie verströmte, wurde mir plötzlich schlecht. Nein danke, sagte ich steif. Ich bin Vegetarierin.