Johannes Meiser (1855-1918) hat als Bergmann den Wandel zur industriellen Produktion der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebt und erlitten. Er war Zeitgenosse der gewerkschaftlichen Organisierung unter Nikolaus Warken. In seiner Militärzeit konnte er den engen regionalen Horizont erweitern. Humor und Milde durch seinen Gottesglauben lassen die Erinnerungen nicht als Abrechnung, sondern als lebendigen Rückblick in eine entschwundene Zeit erscheinen. Heidelinde Jüngst-Kipper (†) und Dr. Karl Ludwig Jüngst haben dieses sozialgeschichtliche Juwel sorgfältig und mit Liebe ediert.  

 

Da ich den Scholmeischter an den Nagel gehangen, mußte ich mich nun entschließen, Bergmann zu werden wie mein Vater und die beiden älteren Brüder. Meine erste Schicht verfuhr ich am 6. April 1871 in der Hirschbach bei Dudweiler. Ich arbeitete dort mit anderen Kameraden am Fördersieb und las die Felsenstücke aus den Kohlen. Diese Schicht steht mir noch vor der Seele, als hätte ich sie vor vier Tagen verfahren. Ich trug die gewöhnliche Uniform, nur hatte ich ein Paar nagelneue Schuhe an und eine ebensolche neue schwarze Zipfelmütze auf dem Kopf. Unglücklicherweise regnete es den ganzen Tag. Auf meinem Heimgang lief mir die mit Kohlenstaub gemischte schwarze Brühe übers ganze Gesicht. Wie glücklich für mich, war ich doch jetzt ein wirklicher und wahrhaftiger Bergmann, wenigstens der Gesichtsfarbe nach. Lucifer selbst konnte nicht schwärzer sein.

 

ISBN 978-3-936950-35-9
196 Seiten, Paperback
14,90€

 

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