Am Scheitelpunkt zwischen Beobachtung und Empfindung, am Übergang zwischen einer Wahrnehmung zur nächsten, stehen Stephan Valentin Böhnleins Gedichte. Unentwegt die Zeit, Stille, Ruhe, Vergänglichkeit thematisierend, packen sie Spannung und Aussage auf kleinsten Raum. "Am Saum zwischen Nacht und Tag" lautet der Titel seines ersten Lyrikbandes, herausgegeben im Conte Verlag. Böhnlein hat ihn nun in der Saarbrücker Buchhandlung Hofstätter vorgestellt.
Auch unerträgliche Hitze hält Lyrik-Liebhaber nicht davon ab, die Buchhandlung mit einer ansehnlichen Zuhörerzahl zu füllen, eine besondere Lesung wartet auf sie. Böhnlein, seit 1990 Solo-Paukist im Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, hat fünf seiner Kollegen mitgebracht, die einführend auf Geigen, Bratschen und Cello ein vom Autor selbst geschriebenes Streichquintett spielen. Leise und elegisch gleitet die Musik durch den Raum, fast klingt es wie ein sehr langsames Erwachen. Von Böhnleins Vortrag wird es perfekt aufgenommen, eingefangen in seinen am japanischen Haiku orientierten Gedichten, Dreizeiler überwiegend. "Nachts erwach' ich sanft, der Mond spricht deinen Namen, lichtumfangen, stumm."
Böhnlein trägt alle Gedichte zweimal vor, dazwischen lange Pausen, andächtige Stille im Raum. So wie Böhnlein liest, denkt man an ein Mantra, lässt sich auf den ruhigen Wortfluss ein. Facetten von Jahreszeiten, Wetter, Tierbeobachtungen greift er auf, Naturlyrik, in der der Mensch nur als Beobachtender vorkommt. Dann doch noch Menschen, Fremde, die Geliebte, eingefangen in Bruchstücken, ihr Lachen, ihre Stimme. Zwei unterschiedliche Zyklen, die unmerklich miteinander verschmelzen. Ein feierlicher Abschluss, Margarete und Reinhilde Adorf, Helmut Winkel, Irmelin Thomsen und Elisabeth Woll spielen ein Streichquintett von Luigi Boccherini.
Mit Lyrik beschäftigt sich Böhnlein schon lange, seit 2001 hat er es intensiviert, wozu eine durch einen Hörsturz verursachte musikalische Zwangspause nicht unerheblich beitrug. Seine Lyrik spürt im Versmaß der Qualität von Ruhe nach, in Metren gepackte Sekundeneindrücke, Gefühlswallungen und Gedankenflüge bilden kleine Inseln aus nadelfeinen Worten, mit Stille spielend.